Ist 'Cool Japan' wirklich so cool? Ein Blick hinter die Kulissen der Subkultur

06/06 17:29:19
„Cool Japan?“
Leitartikel von Bocchan, J-Subculture Team

Manchmal frage ich mich, ob wir bei J-Subculture wirklich halten, was wir mit unserem Versprechen „Dir Japans Subkultur näherzubringen“ versprechen. Natürlich bieten wir großartige Produkte an, doch Sie, unsere Kunden, wissen inzwischen sicherlich weit mehr über Japanische Subkultur als wir. Bis auf wenige Ausnahmen würde niemand in unserem Team – egal ob Japaner oder nicht – sagen, dass er Anime schaut, Cosplay betreibt oder regelmäßig Conventions besucht. Die Antwort ist meistens: „Nein“ oder „Früher mal, aber inzwischen nicht mehr.“

Für mich persönlich bedeutet Japan heute vor allem Arbeit. Vor etwa vier Jahren, während meines Studiums an der Sophia University in Tokio, war Akihabara täglich ein Ziel auf meinem Weg zwischen Uni und Gastfamilie. Damals waren Serien wie Haruhi und Lucky Star äußerst populär, doch seitdem habe ich etwas den Kontakt verloren. Für mich war Hetalia dann der Anfang vom Ende – wenn man sich täglich mit Themen wie Rasse und Nationalität auseinandersetzt, verliert dieser Art Humor schnell ihren Reiz.

Trotzdem ist unbestritten, dass japanische Kultur – und speziell die Subkultur – international enorm beliebt ist, und das aus gutem Grund. Die Produkte sind fantastisch und basieren oft auf Anime- Serien oder Spielen mit großer kreativer Kraft. Es zaubert mir oft ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich die vielen Bestellungen sehe, die wir versenden – sei es, weil ich an Serien erinnert werde, die ich früher mochte, oder weil sie mich neugierig auf Neues machen, obwohl ich weiß, dass mir die Zeit fehlt. Zum Beispiel hat heute tatsächlich jemand dieses Sammlerstück gekauft.

Interessant ist die teils schwierige Beziehung zwischen japanischer Pop- (z. B. Otaku) Kultur und der japanischen Industrie. Beide profitieren voneinander: Unternehmen können hochwertige Figuren und Spielzeuge in großer Stückzahl produzieren, basierend auf der Arbeit von talentierten Autoren und Animatoren. Gleichzeitig ist es amüsant, Gehaltsangestellten in der Bahn zuzuhören, wenn sie über „Cool Japan“ oder Japans „Soft Power“ sprechen – Begriffe, die sie selbst geschaffen haben, um die Popkultur zu beschreiben, und die sie stolz präsentieren, obwohl die meisten lieber einen Seitensprung eingestehen würden als sich beim Cosplay zu zeigen.

Zusammenfassend wünsche ich mir, dass Sie – und statistisch gesehen auch viele Mädchen – weiterhin unsere Produkte und die faszinierende Kultur dahinter genießen. Gleichzeitig ist es aber auch spannend, einen Blick auf die Gesellschaft zu werfen, die diese Subkultur ermöglicht.

Zum Schluss möchte ich Ihnen diesen Gedanken mit auf den Weg geben...


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